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Wirtschaftliche Hintergründe des professionellen Fußballs
 
Fußball 2030

These 10: Steuerliche Sonderregeln für Profifußballer

Gemessen am Umsatz liegt die Bundesliga deutlich hinter der englischen und ungefähr gleichauf mit der spanischen und der italienischen Liga. Die höhere Finanzkraft der englischen Liga ermöglicht es den englischen Clubs, höhere Gehälter zu zahlen und dadurch viele der weltbesten Fußballer unter Vertrag zu nehmen. Für die Fußballer ist letztlich die Höhe des Nettogehaltes relevant, wenn sie vor der Entscheidung stehen, ein Vertragsangebot anzunehmen. Im internationalen Wettbewerb um die besten Fußballer ist deshalb nicht nur die Finanzkraft und die Zahlungsbereitschaft der Vereine wichtig, sondern auch das im jeweiligen Land geltende Steuer- und Abgabensystem. Je höher die Steuer- und Abgabenbelastung in einem Land, desto schwerer fällt es einem Verein, die Nettolohnforderung der Spieler zu erfüllen.

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These 9: Staatliches Wettmonopol ist Vergangenheit

Kaum ein Bereich im Umfeld des Fußballsports unterliegt einer so merkwürdigen Regelung wie der Markt für Sportwetten. Der Staat besitzt ein Glücksspielmonopol, das privaten Anbietern den Marktzugang eigentlich unmöglich machen sollte. Dennoch können Fans problemlos ihre Wetten auf Resultate und Ereignisse von Fußballspielen auch bei privaten Wettunternehmen platzieren. Wie ist dieser Widerspruch zu erklären?

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These 8: Arbeitsagenturen für selbständige Fußballer

Warum sind Fußballer Angestellte der Bundesligisten, warum sind sie nicht selbständig oder freiberuflich tätig? Die naheliegende Antwort lautet: Weil der Fußball ein Teamsport ist. Mannschaftliche Geschlossenheit erfordert eine gewisse Konstanz des Spielerkaders, also eine feste Bindung der Spieler an den Verein – möglichst über viele Jahre. In der jüngeren Vergangenheit hat allerdings eine Tendenz zur Individualisierung des Teamsports Fußball eingesetzt.

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These 7: Nationalmannschaften dürfen Ausländer einsetzen

Im Fußball geschehen immer wieder Überraschungen. Dazu gehört der Umstand, dass Bundesligisten kaum auf Spieler aus der eigenen Stadt setzen, aber dennoch große Unterstützung von der Bevölkerung ihrer Region bekommen. Lokalpatriotismus scheint auch ohne die entsprechenden Spieler zu funktionieren. Schon in den achtziger Jahren war es üblich, dass zum Beispiel ein Verein wie der Hamburger SV kaum mit Spielern aus Hamburg antrat. Der Spielerkader war überregional, zu einem kleinen Teil sogar international zusammengesetzt. Der Beliebtheit des HSV beim Hamburger Publikum tat dies – zumindest solange sportliche Erfolge vorzuweisen waren – keinen Abbruch.

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These 6: Spielermärkte bleiben offen

Das sogenannte „Bosman-Urteil“ aus dem Jahr 1995 hat das Gesicht des europäischen Fußballs drastisch verändert. Der Europäische Gerichtshof hat damals mit einem Urteil die bis dahin geltenden Ausländerbeschränkungen zu Fall gebracht. Standen zuvor hauptsächlich deutsche Spieler für die Bundesligisten auf dem Platz, nahm die Zahl der Ausländer in Folge des Urteils sprunghaft zu. Inzwischen ist es keine Seltenheit mehr, wenn eine Mannschaft vollständig auf den Einsatz deutscher Spieler verzichtet. In anderen europäischen Ligen sieht die Situation ähnlich aus.

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These 5: Austragung von Bundesliga-Spielen im Ausland

Heute werden sämtliche Spiele der Bundesliga, des DFB-Pokals und der europäischen Wettbewerbe in einem Stadion der zwei beteiligten Vereine ausgetragen. In der Bundesliga hat beispielsweise jede Mannschaft einmal Heimrecht gegen jeden anderen Bundesligisten. Auf „neutralem Boden“ werden lediglich die Endspiele des DFB-Pokals sowie die Endspiele der europäischen Wettbewerbe ausgetragen. Der Vorteil dieses Austragungsmodus aus ökonomischer Perspektive: Der bestehende Markt wird bestmöglich bedient. Das Problem: Neue Märkte können nur schwer erschlossen werden, weil dafür Präsenz vor Ort vonnöten wäre.

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These 4: Zentrale Fernsehvermarktung ist abgeschafft

Die Fernsehrechte an der Fußball-Bundesliga werden traditionell durch den Deutschen Fußball Bund beziehungsweise in den letzten Jahren durch die Deutsche Fußball Liga zentral vermarktet. Zentralvermarktung bedeutet, dass die Bundesligisten die Fernsehübertragungs-rechte an ihren Heimspielen nicht selbst verkaufen und dabei im Wettbewerb um Sendeplätze mit den anderen Bundesligisten stehen, sondern sämtliche Fernsehrechte monopolisiert vom Ligaverband vergeben werden.

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These 3: Mehr Spielunterbrechungen für Werbung

Wir gehen davon aus, dass die Erlöse aus der medialen Berichterstattung auch künftig eine sehr wichtige Rolle spielen werden. Aktuell liegt deren Anteil an den Gesamterlösen bei 33%. Sehr wahrscheinlich werden sich die Anteile der Medien verschieben. Viel spricht dafür, dass die neuen Medien einen erheblichen Bedeutungszuwachs erleben werden.  Auch könnten Medienangebote mit Bezahlfunktion aller Art (zum Beispiel Pay-TV) größere Bedeutung bekommen. Dennoch dürften werbefinanzierte Medienformate – im Fernsehen, aber auch im Hörfunk und im Internet – einen hohen Stellenwert behalten.

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These 2: Endspiel um die Deutsche Meisterschaft

Auf der Suche nach neuen Erlösquellen werden bereits heute immer wieder Reformen des Spielmodus diskutiert. Eine Variante ist die Wiedereinführung beziehungsweise Aufwertung des Liga-Pokals vor Beginn einer Saison. Problematisch daran ist der relativ geringe sportliche Wert des Wettbewerbs, weil sich die in der Sommerpause neu zusammengestellten Mannschaften noch in der Vorbereitungsphase befinden und der Liga-Pokal deshalb hauptsächlich zum Experimentieren und Einspielen genutzt wird.

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Demnächst: These 3 – Mehr Spielunterbrechungen für Werbung

These 1: Keine Europaliga!

Die europäischen Fußball-Ligen sind traditionell offen und wettbewerblich organisiert. Offenheit wird durch Auf- und Abstiegsregelungen gewährleistet. Das heißt für Deutschland, dass grundsätzlich jeder Fußballclub die Möglichkeit hat, sich durch sportlichen Erfolg für die nächst höhere Liga, bis hin zur Bundesliga zu qualifizieren. Gleichzeitig entscheidet allein der sportliche Erfolg darüber, welche Clubs aus der ersten Liga absteigen müssen. Die besten Vereine der nationalen Ligen qualifizieren sich nach einem festgelegten System für die europäischen Wettbewerbe. Momentan sind dies die Champions League und die zur Saison 2009/10 neu geschaffene Europa League, die den UEFA-Cup ablöst.

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Ein Blick zurück: Fußball im Jahr 1985

Der Blick voraus in das Jahr 2030 ist ambitioniert. Um ein Gefühl für die Veränderungen zu bekommen, die in etwas mehr als zwei Jahrzehnten möglich sind, soll zunächst ein Blick zurück geworfen werden. Wie sah der professionelle Fußball vor gut 20 Jahren aus? Nachfolgend werden deshalb einige typische Merkmale der Saison 1985/86 exemplarisch beleuchtet.

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© Jörn Quitzau 2007